Auf den Spuren des Peitschenwurms
Ein kleiner Beitrag, wie ein Parasit uns Menschen in der westlichen Welt helfen kann, chronische Krankheiten wie Morbus Chrohn, Colitis Ulcerosa, Multiple Sklerose, Rheumatoide Arthritis, Allergien, Allergisches Asthma, Diabetes Typ 1, Sarkoidose, Hauttuberkulose zu bekämpfen.
Der Parasit, der das Immunsystem des Menschen positiv beeinflusst, ohne seine Gesundheit zu gefährden: Danach suchen Forscher schon seit den Neunziger Jahren. Der Schweinepeitschenwurm Trichuris suis ist ein potentieller Kandidat: 2004 testeten US-amerikanische Forscher diese Parasiten, die eigentlich nur Schweine befallen, an Menschen, die unter der chronischen Darmentzündung Morbus Crohn leiden. Morbus Crohn ist eine Autoimmunerkrankung, die bewirkt, dass das Immunsystem den Darm des eigenen Körpers attackiert. Die Patienten leiden an starkem Durchfall mit Blutverlust, Krämpfen und Mangelerscheinungen.
Offenbar können Schweinepeitschenwürmer etwas gegen diese Symptome ausrichten. Dabei sind sie völlig unschädlich für den Menschen. Schweinepeitschenwurmeier werden dabei geschluckt und entwickeln sich im Darm zu Larven. Um im Darm des Menschen zu überleben, hat der Parasit ein ausgeklügeltes System. Er entsendet einen Botenstoff, der das Immunsystem des Wirts beruhigt, um nicht abgestoßen zu werden. Diese Reaktion entspannt auch die Immunreaktion des übereifrigen Immunsystems bei der Darmentzündung. Nach 14 Tagen werden die Larven auf natürlichem Weg ausgeschieden, da der Parasit im menschlichen Darm nicht überleben kann.
Während der Behandlung in der Studie besserte sich der Zustand der 30 Studienteilnehmer nachweislich. Derzeit ist allerdings noch unklar, ob die Wirkung der Schweinepeitschenwürmer nur ein Placebo-Effekt ist. Weitere Studien dazu laufen. Die endgültigen Ergebnisse der Studie werden voraussichtlich Ende des Jahres veröffentlicht. Auch bei Multipler Sklerose, Rheumatoider Arthritis und bei Menschen mit Autismus kann der Schweinepeitschenwurm möglicherweise helfen.

Zu viel Hygiene schadet
Hände unter laufendem Wasser: gut gegen Viren, Parasiten und Co, aber schlecht für das Immunsystem?! Der Tropenmediziner Quentin Bickle ist jedenfalls davon überzeugt, dass das Verschwinden von Bandwurm & Co mit Schuld daran ist, dass das Immunsystem von immer mehr Menschen verrückt spielt.

„Würmer gibt es schon, seitdem sich das menschliche Immunsystem im Laufe der Evolution entwickelt hat. Ich denke deshalb, dass es stimmt: Dass die Zunahme der Autoimmunerkrankungen in der westlichen Welt damit zusammenhängt, dass wir heutzutage keine langwierigen Wurminfektionen mehr haben.“

Dieses ist ein interessanter Ansatz, Autoimmunerkrankungen zu bekämpfen. Sollten sich die Studien als hilfreich erweisen, wäre das eine Sensation.